Liefer- und Abholdienst CITTI24 soll eingestellt werden
Reaktion des BSVSH
CITTI24 Liefer- und Abholservice wird eingestellt
Der CITTI24 Liefer- und Abholservice endet zum 15.08.2026. Sehr kurzfristig kündigten die CITTI Märkte (öffnet in neuem Fenster)an, dass der Online-Shop CITTI24 bereits zu Ende der Woche geschlossen wird. CITTI begründete dies damit, sich künftig stärker auf die Märkte und die Beratung vor Ort in Kiel, Lübeck und Flensburg konzentrieren zu wollen.
Dies ignoriert jedoch die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten und anderen Menschen mit Behinderung, für die ein Einkauf im Supermarkt ohne fremde Hilfe nicht einfach möglich ist.
Statement des BSVSH: Rückschritt für Teilhabe und Chancengleichheit
„Mit großer Betroffenheit erfuhren blinde Kunden in Kiel von der Schließung des Liefer- und Abholdienstes CITTI24. Für sehende Menschen ist ein Lebensmittel-Lieferservice oft eine reine Zeitersparnis oder ein Stück Komfort. Für uns blinde und sehbehinderte Menschen ist er eine wichtige Errungenschaft, um unser Leben eigenständig und selbstbestimmt zu gestalten“, sagt Jürgen Trinkus, Vorstandsvorsitzender des BSVSH.
„Der Einkauf im Supermarkt ist ohne fremde Hilfe, gute Orientierung und barrierefreie Preisauszeichnungen eine enorme Herausforderung. Dienste wie CITI24 haben uns ermöglicht, ohne Bittsteller am alltäglichen Leben teilzuhaben.
Die eigenständige Besorgung von Lebensmitteln stellt für Menschen mit Seheinschränkung eine der größten Hürden im Alltag dar. Lieferdienste sind eine ideale Brücke zur Gleichberechtigung. Fallen solche Dienstleistungen weg, sind behinderte Kunden oft wieder auf die zeitintensive Hilfe von Assistenzkräften, Verwandten oder ehrenamtlichen Helfern angewiesen. Der Blinden- und Sehbehindertenverein SH sieht hier einen deutlichen Rückschritt für Teilhabe und Chancengleichheit.“
Kieler und Lübecker Nachrichten berichteten
Auch die Lokalzeitungen in Kiel und Lübeck berichteten über die Einstellung. In dem Artikel „Sorgen nach Aus für Lieferservice Citti24: „Dann bin ich wieder auf Hilfe angewiesen“ spricht die Journalistin mit der blinden Kielerin Petra Warnholz über die Wichtigkeit des Lebensmitteldienstes für ihre eigenständige Versorgung. Auch BSVSJ Vorsitzender Jürgen Trinkus wird zitiert. Citti äußerte sich nach wie vor nicht zu dem Thema.
Bericht „Sorgen nach Aus für Lieferservice Citti24: „Dann bin ich wieder auf Hilfe angewiesen“ vom 20. und 21. August 2026 – in den Kieler Nachrichten (öffnet in neuem Fenster)oder Lübecker Nachrichten (öffnet in neuem Fenster) lesen (leider nur mit Abonnement)
Pressekontakt
Maura Rafelt, m.rafelt@bsvsh.org, 0451 408 508 11
Hintergründe und weiterführende Links
Die Begründung von CITTI der Einstellung des Lieferdienstes mit der Verbesserung des Services in ihren Märkten ist insofern problematisch, dass die Märkte und Lebensmittelauszeichnungen in den Märkten nicht barrierefrei sind. Auch die vermehrte Einführung von Selbstbedienungs-Terminals an den Kassen und der Abbau von Kassenpersonal, das im Zweifel unterstützen könnte, ist ein Problem.
Diese SB-Terminals als Kassen sind nicht barrierefrei. Es gibt nach unserer Kenntnis keinen Kopfhöreranschluss und keine Software, mit der Blinde oder Sehbehinderte die Artikel selbst scannen könnten. Im Einzelhandel kann dies eine Möglichkeit sein, Personal einzusparen. Für normale Kunden in der Regel kein Problem, für blinde und sehbehinderte aber ein großes. Es steht weniger Personal zur Verfügung, das beim Einkauf unterstützen kann.
Zahlen und Fakten zum Thema SB-Kassen: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/sb-kassen-einzelhandel-bezahlung-selbstbedienung-100.html
Auch Online-Shops sind häufig nicht barrierefrei, trotz dem neuen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. So ist zum Beispiel nur ein Drittel der meistbesuchten Online-Shops in Deutschland barrierefrei, wie eine aktueller Test von Aktion Mensch und Google (öffnet in neuem Fenster) ergab. Informationen rund um Online Shops hat die Bundesfachstelle Barrierefreiheit – E-Commerce: Wissen zum BFSG

